The author starts by explaining the reasons of the success of
I Rantzau in Berlin, a success not simply explained by
the musical quality of the work. He then talks about the speed
at which Cavalleria spread through Europe, making
Mascagni suddenly famous and rich. He mentions Mascagni's life
before Cavalleria and the composition of the opera with
the collaboration or his librettists. He moves on to I
Rantzau. He mentions the origin of the libretto and
summarizes the plot. Although according to him the musical
treatment does not appear as fitting as in Cavalleria
Rusticana, the opera does not lack memorable pieces.
Finally, he praises the German premiere of I Rantzau
that took place in Berlin on February 25, 1893.
The article is illustrated with a full-page (27.8 x 37.4 cm)
engraving showing scenes from I Rantzau (see the original document). The
engraving is entitled "Die Rantzau", Oper von Pietro
Mascagni. Originalzeichnung von Alb. Wirth. ("The
Rantzau", opera of Pietro Mascagni. Original drawing by Alb.
Wirth.).
[...] überraschend großen, für Berlin geradezu verblüffenden
Erfolg, der wohl durch die Vereinigung der verschiedensten Umstände
bewirkt wurde. Der ganz außerordentliche Erfolg der Erstlingsoper
Mascagnis, der "Cavalleria Rusticana", der sich als tragfähig für
seine zweite oper, den "Freund Fritz", seine dritte und vielleicht
noch ein paar nachfolgende Opern erweist; ferner die Anwesenheit des
sympathischen jungen Komponisten, der zu dieser Erstaufführung in
Deutschland nach Berlin gekommen war; weiter der Mangel an
zugkräftigen neuen heimischen Werken; endlich die politische Lage,
die gerade von Berlin aus zur Zeit das hellste Licht
freundschaftlicher Begünstigung auf die italienischen Künstler
ausstrahlt - das alles kam zusammen, um den "Rantzau" wahrhaft
glänzenden Empfang zu bereiten, der nach übereinstimmendem Urteile
aller Musikverständigen aus dem musikalischen Gehalt des Werkes
allein nicht zu erklären ist.
In der That hatte das Erstlingswerk Mascagnis vor mehr als zwei
Jahren nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa einen Beifall
hervorgerufen, wie ihn die Musikgeschichte von keinem ersten
dramatischen Werke zu erzählen weiß. Bei einer ausgeschriebenen
Bewerbung für eine einaktige Oper erhielt bekanntlich der damals
erst sechsundzwanzigjährige Komponist unter den hundertundsiebenzig
Mitbewerbern den ersten Preis. Sein Werk, die Cavalleria, wurde
sowohl in den Städten Italiens, wie in Budapest, Dresden, Wien,
Prag, Berlin rasch nacheinander aufgeführt und mit wahrem Jubel
aufgenommen. Alle Theater beeilten sich, die wirksame und schöne
Oper zu erwerben, und der bis dahin ganz unbekannte und mittellose
Komponist wurde mit einem Schlage ein berühmter und in sechs Monaten
ein reicher Mann.
Pietro Mascagni ist der Sohn eines armen Bäckers in Livorno. Der
talentvolle Knabe wurde von einem reichen Mäcen ins Konservatorium
zu Mailand gebracht, von wo der jungen Taugenichts indes arger
Schelmenstreiche wegen nach einiger Zeit davongejagt wurde. Darnach
ward Mascagni Kapellmeister an kleinen Wanderbühnen, und ein altes
Zeitungsblatt, das ihm ganz zufällig jenes Preisausschreiben vor
Augen führte, brachte ihn auf die idee, eine einaktige Oper zu
komponieren. Zwei Freunde arbeiteten ihm das treffliche Bauernstück
Vergas rasch zu einem Libretto um, dessen einzelne Abschnitte er
täglich auf Postkarten erhielt, und mit gleicher Schnelligkeit
schritt von Tag zu Tag die Komposition des Werkes vorwärts, das ein
so überraschend kraftvolles und selbständiges Talent bekundete.
Wie das Libretto der zweiten Oper Mascagnis, des Amico Fritz, ist
auch dasjenige der Rantzau nach einem Erckmann-Chatrianschen Roman
gearbeitet. Die von den Autoren nach ihren Romanen geschriebenen
Schauspiele Freund Fritz und Die Rantzau hatten ihrer Zeit eine
große Bühnenwirkung ausgeübt, jedenfalls eine größere, als jetzt die
gleichnamigen Opern Mascagnis, für welche sie keine recht geeigneten
Sujets bilden. Das Libretto zu den Rantzau ist von der Herren G.
Targioni-Tozetti und G. Menasci verfaßt, der italienische Text ins
Deutsche recht geschickt von Max Rahlbeck übertragen, der mit seinem
Verständnis die Accente des deutschen Wortfalles den dramatischen
Spitzen der musikalischen Phrase angepaßt hat.

Versöhnung. (Reconciliation.)
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Das Stück spielt in einem kleinen Dorfe der Vogesen und behandelt
den Streit der beiden benachbart wohnenden Brüder Johann und Jakob
Rantzau und die unklare letztwillige Verfügung ihres Vaters und die
endliche Versöhnung der feindlichen Brüder durch die Liebe ihrer
Kinder. Luise, Tochter des Johann, verzehrt sich in Liebe zu ihrem
Vetter Georg, Sohn des Jakob. Um sein Kind zu retten, gibt Johann
nach, und Georg vernichtet schließlich den von seinem Vater Jakob
entworfenen Vergleich, um den dauernden Frieden zu sichern.
Wenn diese etwas verblaßte und hausbackene
Montecchi-Capuletti-Geschichte von "Romeo und Julia auf dem Lande"
auch eine innere Teilnahme nicht zu erregen vermag und sich deshalb
für eine musikalische Bearbeitung weit weniger eignet, als zum
Beispiel die von Poesie und Leidenschaft durchwehte Cavalleria, so
fehlt es doch auch in der neuen Oper nicht an manchen interessanten
Einzelheiten, die das Ohr des Kenners entzücken. So im zweiten Akt
das "Kyrie eleison" des Schulmeisters Florentius und die
eindringlich wirkende Mahnung Johannes an seine Tochter, im dritten
Akte der Eingangschor der Frauenstimmen und das Finale, im vierten
das Liebesduett und der Schluß.
Der meisterhaften Berliner Darstellung, um welche sich in erster
Reihe Herr Bulß als Johann Rantzau, ferner Fräulein Hiedler (Luise)
und die Herren Betz (Florentius), Rothmühl (Georg) und Krolop
(Jakob) verdient machten, nicht minder der vortrefflichen Leitung
des Orchesters unter Kapellmeister Weingartner und der prächtigen
Inscenirung gebührte ein voller Anteil an dem Erfolge des Abends.

Der alte Rantzau tobt gegen seine Tochter. - Der junge Rantzau
und sein Nebenbuhler. (The old Rantzau rages against his
daughter. - The young Rantzau and his rival.)
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